Sourcing Basics
Das kleine Sourcing-1x1: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Wer zum ersten Mal mit Herstellern verhandelt, bekommt Angebote voller Kürzel: FOB, MOQ, EXW, Lead Time. Du musst nicht jeden Fachbegriff kennen, um professionell einzukaufen – aber die auf dieser Seite solltest du sicher beherrschen, denn sie entscheiden darüber, was du wirklich bezahlst und wofür du haftest. Dieses 1x1 ist zum Nachschlagen gedacht: kurz, ohne Umwege, aus der Praxis von 42 Jahren Beschaffung.
Die Grundbegriffe
Was ist Sourcing?
Sourcing bezeichnet den Prozess, Waren oder Dienstleistungen für das eigene Unternehmen zu identifizieren, zu bewerten und zu beschaffen. Ziel ist die beste Kombination aus Kosten, Qualität, Verlässlichkeit und Risiko – nicht einfach der niedrigste Preis.
Was ist Global Sourcing?
Global Sourcing ist die Beschaffung über Landesgrenzen hinweg – um von Kostenvorteilen, Fertigungskompetenz und einem größeren Lieferantenpool zu profitieren. Der Preisvorteil kommt dabei nie allein: Er bringt längere Transportwege, andere Rechtsräume und kulturelle Distanz mit, die gemanagt werden wollen.
Was ist eine Sourcing-Agentur?
Eine Sourcing-Agentur arbeitet als Bindeglied zwischen Käufer und Hersteller: Sie findet und qualifiziert Produzenten, verhandelt Preise und Verträge und organisiert Bemusterung, Qualitätskontrolle und Abwicklung. Ob sich das für dich lohnt, hängt von Volumen und eigener Erfahrung ab – eine ehrliche Entscheidungshilfe findest du hier.
Was ist Procurement?
Procurement ist der Oberbegriff für den gesamten Beschaffungsprozess – von der Lieferantenauswahl über Preisverhandlung und Vertragsabschluss bis zur Bestellung. Sourcing ist ein Teil davon.
Was ist eine RFQ?
RFQ (Request for Quotation) ist die strukturierte Preisanfrage an einen Hersteller: Produktspezifikation, Menge, Qualitätsanforderungen, gewünschte Lieferbedingung. Je präziser deine RFQ, desto vergleichbarer die Angebote – und desto ernster wirst du genommen.
Die Incoterms: Wer trägt Kosten und Risiko bis wohin?
Incoterms sind international genormte Handelsklauseln (aktuelle Fassung: Incoterms 2020), die regeln, an welchem Punkt Kosten und Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergehen. Die wichtigsten:
Was bedeutet EXW?
EXW (Ex Works): Der Verkäufer stellt die Ware in seinem Werk bereit – alles Weitere, vom ersten Lkw-Meter bis zur Einfuhr, ist deine Sache. Der niedrigste Angebotspreis, aber die volle Verantwortung.
Was bedeutet FCA?
FCA (Free Carrier): Der Verkäufer übergibt die Ware an den von dir benannten Frachtführer; ab da trägst du das Risiko.
Was bedeutet FOB?
FOB (Free On Board): Der Verkäufer trägt Kosten und Risiko, bis die Ware an Bord des Schiffs ist. Ab da übernimmst du. FOB ist im Asiengeschäft die gängigste Klausel – du kontrollierst die Hauptfracht, der Hersteller den Vorlauf.
Was bedeutet CIF?
CIF (Cost, Insurance and Freight): Der Verkäufer zahlt Fracht und Versicherung bis zum Bestimmungshafen – das Transportrisiko geht aber schon mit Verladung auf dich über. Klingt bequem, versteckt aber oft Marge in der Fracht.
Was bedeutet C&F?
C&F bzw. CFR (Cost and Freight): Wie CIF, nur ohne Versicherung – die musst du selbst abschließen.
Was bedeutet DAP?
DAP (Delivered At Place): Der Verkäufer liefert bis zu einem benannten Ort in deinem Land – die Einfuhrverzollung und Einfuhrabgaben bleiben bei dir.
Was bedeutet DDP?
DDP (Delivered Duty Paid): Der Verkäufer übernimmt alles bis zur Lieferung an deine Adresse, inklusive Zoll. Die Vollkasko-Klausel – und genau deshalb selten die günstigste und beim Import nach Deutschland steuerlich oft heikel.
Faustregel aus der Praxis: Vergleiche Angebote nur mit derselben Incoterm-Klausel. Ein EXW-Preis gegen einen DDP-Preis ist kein Preisvergleich, sondern ein Missverständnis.
Bestellung und Produktion
Was bedeutet MOQ?
MOQ (Minimum Order Quantity) ist die Mindestbestellmenge eines Herstellers. Sie ist verhandelbar – meist über den Stückpreis. Ob ein MOQ von 1.000 oder 5.000 Stück angemessen ist, hängt von Produkt und Fertigungsverfahren ab; lass dir die Kalkulation dahinter erklären.
Was bedeutet OEM?
OEM (Original Equipment Manufacturer): Ein Hersteller fertigt Produkte, die du unter deiner eigenen Marke verkaufst – nach deiner Spezifikation.
Was bedeutet ODM?
ODM (Original Design Manufacturer): Der Hersteller bietet fertig entwickelte Produkte an, die du mit deinem Branding versiehst. Schneller und günstiger als OEM – dafür verkaufen andere sehr ähnliche Ware.
Was ist Lead Time?
Lead Time ist die Zeit von der Bestellung bis zur Verfügbarkeit der Ware. Rechne realistisch: Produktion plus Qualitätskontrolle plus Seefracht plus Verzollung – und plane Puffer für Feiertage ein, allen voran das chinesische Neujahr, das Fabriken zwei bis vier Wochen stillstehen lässt.
Was ist eine SKU?
SKU (Stock Keeping Unit) ist die eindeutige Artikelnummer je Produktvariante – Grundlage für Lagerführung, Bestandsplanung und jedes Gespräch über dein Sortiment.
Was ist Total Cost of Ownership?
Total Cost of Ownership (TCO) sind die Gesamtkosten eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus: Einkaufspreis plus Fracht, Zoll, Qualitätskontrolle, Lagerung, Retouren. Der günstigste Stückpreis ist häufig nicht der günstigste TCO – das ist die teuerste Verwechslung im Einkauf.
Zoll und Compliance
Was ist eine Zolltarifnummer?
Die Zolltarifnummer (HS-Code) klassifiziert Waren im internationalen Handel und bestimmt Zollsatz und Einfuhrbestimmungen. Eine falsche Einreihung kostet Geld oder hält deine Ware im Zoll fest – im Zweifel verbindliche Auskunft einholen.
Was ist eine EORI-Nummer?
Die EORI-Nummer ist deine Registrierungsnummer als Wirtschaftsbeteiligter beim Zoll. Ohne sie importierst du in die EU gar nichts – beantrag sie, bevor die erste Ware verschifft wird.
Was bedeutet CE-Kennzeichnung?
Mit der CE-Kennzeichnung erklärst du – nicht der Hersteller in Asien, sondern du als Inverkehrbringer –, dass dein Produkt die einschlägigen EU-Anforderungen erfüllt. Welche Normen gelten, hängt von der Produktkategorie ab; kläre das vor der Produktionsfreigabe, nicht danach.
Was ist die GPSR?
Die GPSR (EU-Produktsicherheitsverordnung) gilt seit Dezember 2024 und verschärft die Pflichten für fast alle Verbraucherprodukte: verantwortliche Person in der EU, Rückverfolgbarkeit, Risikobewertung, Kennzeichnungspflichten – auch im Onlinehandel. Wer heute in Asien beschafft, muss die GPSR von Anfang an mitdenken, sonst endet das Projekt beim Marktplatz-Delisting.
Was ist Compliance?
Compliance heißt im Sourcing: Dein Produkt und seine Lieferkette halten alle gesetzlichen Anforderungen ein – Produktsicherheit, Kennzeichnung, Verpackung, gegebenenfalls branchenspezifische Normen. Das ist kein Papierkram für später, sondern ein Auswahlkriterium für den Hersteller.
Und jetzt?
Mit diesen Begriffen liest du jedes Herstellerangebot auf Augenhöhe. Der nächste Schritt ist die Praxis: wie du auf Alibaba seriöse Lieferanten erkennst – und welche Fehler beim Sourcing in Asien am teuersten werden.
Geschrieben von Volker Honsowitz für den Blog der Sourcing-Agentur Honsowitz – seit 1984 in China, Asien und Europa. Zurück zur Blog-Übersicht.
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